|
Referat für Neue Medien und Technik
|
Informationen des Referats:
Braunschweiger demonstrieren für die Grundrechte
27.9.2008. Heute haben in Braunschweig 200 Menschen unter dem Motto "Freiheit statt
Angst - Gegen den überwachungswahn" demonstriert. Neben einem
wirkungsvolleren Datenschutz auch in staatlichen Institutionen wurde ein
verbesserter Grundrechtsschutz gefordert. Es war bereits die zweite
Demonstration in Braunschweig innerhalb weniger Monate, am 31. Mai
hatten sich über 400 Menschen zusammengefunden.
Die Veranstalter kritisierten "die Doppelmoral, mit der viele deutsche
Innenpolitiker das Thema Datenschutz" behandelten. Es sei unglaubwürdig,
wenn Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble öffentlichkeitswirksam für
einen besseren Schutz der Daten eintrete, gleichzeitig aber öffentliche
Institutionen von diesen Regeln ausnehme. "Es ist ein Skandal, dass die
deutschen Meldebehörden weiterhin ungehindert Daten an Unternehmen
verkaufen dürfen", so der Anmelder der Demonstration, Fabio Reinhardt.
Den vielen Datenskandalen in Deutschland und anderen europäischen
Ländern sollten endlich wirksame Konsequenzen folgen. "Der beste
Datenschutz ist und bleibt, Daten gar nicht erst zu speichern."
Skandale wie die Bespitzelungs-Affäre bei der Deutschen Telekom zeigten,
dass "vorhandene Daten immer Begehrlichkeiten wecken" würden. "Dieser
Vorgang zeigt, dass das Gebot der Zweckbindung und die
Datenschutzkontrolle versagt haben", so Ingrid Pahlen-Brandt,
Datenschutzexpertin aus Berlin. Dass diese Verbindungsdaten im Rahmen
der Vorratsdatenspeicherung nun sechs Monate lang gespeichert werden,
sei unüberlegt.
Ingrid Pahlen-Brandt kritisierte auch, dass Datenschützer wie Peter
Schaar mit viel zu wenig Kompetenzen ausgestattet seien. So könne er
beispielsweise seine Mitarbeiter nicht selbst ernennen, diese würden vom
Innenministerium ernannt.
Der Bundesvorstandssprecher der Grünen Jugend, Jan-Philipp Albrecht,
betonte in seiner Rede: "Die rote Linie der europäischen
Sicherheitspolitik lautet: Sicherheit statt Freiheit. Der vermeintliche
Kampf gegen den Terror steht über allem. Ja, sogar über dem Grundgesetz,
den Menschenrechten und den anderen Verfassungsgrundsätzen in Europa."
Er forderte ein umfassendes Mitspracherecht des EU-Parlaments in Justiz-
und Sicherheitsfragen. Im Kampf gegen den Terrorismus hätten die
deutschen Sicherheitspolitiker "die Verhältnismäßigkeit aus den Augen
verloren", so die Veranstalter der Demonstration.
Ein weiteres Thema war die neue Identifikationsnummer, welche derzeit an
alle Bürgerinnen und Bürger verschickt wird. Viele Demonstranten trugen
hiergegen aus Protest Ohrmarken und Barcodes. In ihren Augen handele es
sich bei derIdentifikationsnummerum eine Personenkennziffer, die anhand
zahlreicher Urteile des Bundesverfassungsgerichts zweifellos als
verfassungswidrig einzustufen sei.
Auf der Demonstration wurde dazu aufgerufen, sich auch an den weltweiten
Protesten gegen Sicherheitswahn und Grundrechtsabbau am 11. Oktober zu
beteiligen. Neben zahlreichen Städten in Europa werden sich auch weitere
Länder auf der ganzen Welt an den Protesten beteiligen. In Berlin ist
eine Grosskundgebung am Alexanderplatz geplant. "Wir wollen keine
Gesellschaft des Mistrauens, wir wollen keine Gesellschaft der Angst.
überall auf der Welt werden deshalb am 11. Oktober Proteste stattfinden,
für eine bunte, eine vielfältige, für eine freie Welt." so die
Organisatoren der Demonstration in Berlin.
Der vollständige Aufruf findet sich auf der Aktionsseite
www.FreiheitstattAngst.de
Fabio Reinhardt, der als Referent der Technischen Universität für den Datenschutz zuständig und
Mitorganisator der Demonstration ist, erklärt dazu: "Wir haben bereits sehr viele Zusagen von
engagierten Braunschweiger Gruppen erhalten, die sich unserem Bündnis angeschlossen haben und
unseren Aufruf weitertragen." Reinhardt weiter: "Angesichts der aktuellen politischen Situation ist
eine große, allgemeine Verunsicherung zu verspüren. Das Thema Datenschutz scheint endlich in
den Köpfen der Menschen anzukommen zu sein."
Bereits am 06. November 2007 waren rund 12.000 Menschen in bundesweit über 40 Städten unter
dem Motto "Freiheit statt Angst - Für die Grundrechte!" auf die Strasse gegangen, um gegen
Vorratsdatenspeicherung und Grundrechteabbau zu demonstrieren. Björn Willenberg, Mitglied des
AK Vorrat, zeigt sich daher optimistisch: "Wir rechnen momentan mit einigen hundert Teilnehmern.
Bundesweit werden viele tausend Menschen erwartet. Ich glaube, wir werden am 31. Mai ein
sichtbares Zeichen gegen die aktuelle, auf Angst setzende Bundespolitik setzen."
Für weitere Fragen und Zitate, kontaktieren Sie bitte:
Fabio Reinhardt
Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung
Tel.: 0531/2061990
F.Reinhardt@tu-bs.de
Weitere Infos zum Thema Datenschutz, Neue Medien und Technik
| |
|
|
webdesign © AStA-Kulturbüro
|